Die paradoxe Erfahrung. Eine Philosophie der Religion

Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Stefano Bancalari (Sapienza Università di Roma):
“Sich über die Philosophie lustig machen, heißt wahrhaft philosophieren.
Die Philosophie der Religion und die Frage des Paradoxen”
am 16. April 2026 um 18 Uhr c.t.
Veranstaltungsort: Universität Trier, HS 10
Für die Anreise mit dem ÖPNV nutzen Sie am besten die Linien 3/13 bzw. 83 in den Abendstunden.
Einen Lageplan der Gebäude und Räume finden Sie hier.
Es sind keine Italienischkenntnisse notwendig.
Blockveranstaltung: Vorlesung “Die paradoxe Erfahrung. Eine Philosophie der Religion”
Im Anschluss an den Vortrag findet am 17. und 18. April an der Theologischen Fakultät eine Vorlesung von Prof. Dr. Stefano Bancalari statt.
Gäste willkommen, Anmeldung bitte bis 10. April 2026 an Dr. Lic. Christian Rößner: roessneruni-trierde.
Aus der Kombination von Titel und Untertitel der Vorlesung ergeben sich sofort die drei Fragen, die den roten Faden des theoretischen Verlaufs bilden werden, dem wir folgen: a) Was ist eine paradoxe Erfahrung? b) Was ist die Religionsphilosophie? c) Was hat die erste Frage mit der zweiten zu tun? Die Gründe, weshalb tatsächlich die letzte Frage den logischen Ausgangspunkt der Analyse bietet, da die drei Problemstellungen untrennbar miteinander verbunden sind, werden im Verlauf der Sitzungen deutlich werden. Man kann jedoch von Anfang zwei methodologische Optionen explizit machen, die die Art und Weise rechtfertigen, wie dieser Verlauf konzipiert wurde.
Die erste Option besteht in der Überzeugung, dass die Religionsphilosophie weniger eine Disziplin als vielmehr eine Frage ist, die es noch wert ist, gestellt zu werden – und das versteht sich nicht von selbst. Zahlreiche Einwände könnten – und wurden – gegen die Legitimität erhoben, eine Unterscheidung zwischen zwei Bereichen (Philosophie und Religion) aufrechtzuerhalten, deren Ursprung historisch und kontingent ist und die entweder durch andere, scheinbar tiefere Unterschiede (zum Beispiel den ontologischen Unterschied) ersetzt oder einfach aufgehoben werden könnte. Tatsächlich, wie Scheler sehr gut erklärt hat (Vom Ewigen im Menschen), ist die Aufgabe dieser Unterscheidung eine Strategie, die zum Scheitern verurteilt ist, da sie in Wirklichkeit darauf hinausläuft, die Philosophie in die Religion oder umgekehrt aufzulösen und somit in beiden Fällen das eine wie das andere zu entstellen. Vielversprechender scheint es hingegen, die Religionsphilosophie als die „Sorge“ einer Distanz zu verstehen: die Distanz, die die Beziehung (und Nicht-Gleichgültigkeit) zwischen einer Lebensform (Religion) und dem Denken, das sie befragt und sich von ihr befragen lässt (Philosophie), nährt und fruchtbar macht; die Distanz, sozusagen, zwischen zwei verflochtenen und doch unterschiedlichen Weisen, sich der Frage auszusetzen, die man für sich selbst ist. Heterogenität zu denken, ist weitaus schwieriger, als eine Synthese zu versuchen. Ein solcher Versuch führt unweigerlich dazu, die Karte der Autoren und Texte, die als klassisch für diese „Disziplin“ gelten in einer Weise neu zu zeichnen, die von der traditionellen Darstellung deutlich abweicht.
Eine zweite methodologische Option besteht darin, das „Paradox“ – was auch immer es bedeutet und das selbstverständlich präzise definiert werden muss – aus einer streng phänomenologischen Perspektive zu behandeln, also nicht nur als logische und/oder semantische Konstruktion, sondern als Phänomen, das nur Sinn ergibt, wenn es in einer konkreten Erfahrung verwurzelt ist. Es geht also darum, sich zu fragen, wie ein Paradox sich zeigt, sich gibt oder „erlebt“ wird. Kann man ein Paradox „sehen“, „fühlen“ oder „hören“? Wir werden sehen, wie und in welchem Ausmaß all diese zunächst unsinnig erscheinenden Möglichkeiten in Wirklichkeit konkret und wirksam sind.
Der hier verfolgte Weg wird aus der Arbeit an sechs Paradoxien bestehen, die nicht künstlich absichtlich geschaffen wurden, sondern die sich aus Gründen, die noch zu rekonstruieren sind, sozusagen der philosophischen Reflexion über die Religion „aufgedrängt“ haben:
1. Sich über die Philosophie lustig machen, heißt wahrhaft philosophieren (Pascal);
2. Der Mensch ist von Natur böse (Kant);
3. Fascinosum et tremendum (Rudolf Otto);
4. Das (nichtige) Grund-sein einer Nichtigkeit (Heidegger);
5. Felix culpa (Levinas);
6. Den Ruf kann man nur in der Antwort hören (Levinas, Marion).
Die Analyse dieser Paradoxien ermöglicht es, sowohl eine Vorstellung davon zu gewinnen, was unter „paradoxer Erfahrung“ verstanden werden kann, als auch ein möglicherweise fruchtbares Modell der „Religionsphilosophie“.
Alle Informationen als PDF zum Download.
